Rissige, brennende Hände kommen in der Reinigung selten von einem einzelnen Einsatz, sondern von Wochen mit Wasser, Tensiden und wechselnden Reinigungsmitteln. Hier steht, was der Hautschutzplan deines Betriebs regelt, welche Handschuhe für Reinigungschemie zugelassen sind und wann du in der Schicht cremst. Behandlungstipps für kranke Haut findest du hier nicht, dafür ist der Arzt oder der Betriebsarzt zuständig.
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Inhalt
- Das Wichtigste in Kürze
- Was ein Hautschutzplan regelt und wer ihn aufstellt
- Was Wasser und Reinigungsmittel mit der Haut machen
- Drei Punkte im Schichtablauf: Schutz, Reinigung, Pflege
- Hautreinigung nach der Arbeit: so wenig Entfettung wie möglich
- Handschuhe auswählen: Kennzeichnung, Material, Tragedauer
- Feuchtarbeit: ab wann Handschuhe vorgeschrieben sind und wann Vorsorge dazukommt
- Handschuhe schwitzen, Creme fehlt: die häufigsten Einwände aus dem Objekt
Das Wichtigste in Kürze
Hautschutz läuft nach drei festen Punkten: Schutzmittel vor der Arbeit, Hautreinigung danach, Pflege in den Pausen und nach Arbeitsende.
Ab mehr als zwei Stunden Feuchtarbeit am Tag sind Schutzhandschuhe vorgeschrieben, auch wenn du nur mit klarem Wasser arbeitest.
Handschuhe für Reinigungschemie erkennst du an der EN 374 und am Erlenmeyerkolben auf Packung oder Stulpe.
Den Hautschutzplan stellt dein Betrieb auf, legt die Mittel je Tätigkeit fest und unterweist dich in der Anwendung.
Creme ersetzt keinen Handschuh: Beides wirkt zusammen, und bei längerem Chemiekontakt zählt der Handschuh.
Was ein Hautschutzplan regelt und wer ihn aufstellt
Den Hautschutzplan stellt dein Arbeitgeber auf, nicht du. Darin steht, welches Schutzmittel, welche Hautreinigung und welche Pflege für deine Tätigkeit vorgesehen sind. Dazu kommt die Unterweisung: Der Betrieb muss dir zeigen, wann und wie du die Mittel anwendest. Das Material gehört dorthin, wo du arbeitest.
Dass die Vorgaben von Objekt zu Objekt abweichen, ist normal. Für jede Tätigkeit und jedes Objekt wird gesondert beurteilt, welche Gefährdungen auftreten und welche Schutzmaßnahmen nötig sind. Wenn du gegenüber der Objektleitung nachfragen willst, kannst du dich auf die DGUV Regel 101-605 „Branche Gebäudereinigung“ berufen.
Ein Plan, den du nie gesehen hast, nützt deinen Händen nichts. Geh die folgenden Punkte im Putzraum durch:
Hängt ein Hautschutzplan sichtbar aus, oder gibt es nur einen Seifenspender?
Steht dort, welches Schutzmittel vor welcher Tätigkeit aufgetragen wird?
Ist das Hautreinigungsmittel benannt, oder wird irgendeine Seife benutzt?
Gibt es ein Pflegemittel für Pausen und Arbeitsende, in Spender oder Tube?
Sind die Handschuhe je Reinigungsmittel zugeordnet, und liegen sie in deiner Größe bereit?
Weißt du, wer nachbestellt, wenn eine Tube leer ist?
Fehlt etwas davon, meldest du es der Objektleitung oder dem Vorarbeiter, am besten schriftlich per Nachricht. So ist festgehalten, dass du es angesprochen hast.
Wenn du gegenüber der Objektleitung nachfragen willst, kannst du dich auf die DGUV Regel 101-605 „Branche Gebäudereinigung“ berufen.
Was Wasser und Reinigungsmittel mit der Haut machen
Deine Haut hat zwei eigene Schutzschichten: einen leicht sauren Film auf der Oberfläche mit einem pH-Wert um 5,5 und den natürlichen Fettgehalt, der sie geschmeidig hält. Wasser quillt die Haut auf und schwemmt diesen Säureschutzmantel weg. Reinigungsmittel lösen zusätzlich das Fett heraus.
Alkalische Reiniger, wie du sie für Böden und viele Oberflächen nimmst, verseifen das Hautfett. Die waschaktiven Bestandteile der Reiniger, Tenside genannt, lösen das Fett zusätzlich von der Haut, und lösemittelhaltige Produkte greifen die Fettschicht ebenfalls an. Im Sanitärbereich arbeitest du mit sauren Mitteln, also mit einem ganz anderen pH-Wert als dem deiner Haut.
Auch trockene Mikrofaser entfettet die Haut stark, obwohl dabei kein Mittel im Spiel ist.
Der Schaden entsteht schleichend. Erst spannt die Haut nach Feierabend, dann wird sie spröde, später reißt sie an den Fingerkuppen und im Nagelfalz ein. Daraus werden Handekzeme, und die schränken dich bei der Arbeit ein, weil Greifen und Wischen wehtun. Kälte, Hitze und Reibung kommen als weitere Belastungen dazu.
Deine Haut hat zwei eigene Schutzschichten: einen leicht sauren Film auf der Oberfläche mit einem pH-Wert um 5,5 und den natürlichen Fettgehalt, der sie geschmeidig hält.
Drei Punkte im Schichtablauf: Schutz, Reinigung, Pflege
Hautschutz hängt an festen Zeitpunkten: Schutzmittel vor der Arbeit, Hautreinigung nach der Arbeit, Pflege danach. Jedes Mittel hat seine Aufgabe und ist nicht gegen ein anderes austauschbar. Trägst du ein Pflegemittel vor dem Einsatz auf, fehlt dir der Schutz, und umgekehrt.
So verteilt sich das über deine Schicht:
Vor Arbeitsbeginn: Hautschutzmittel auftragen, bevor du das erste Mal ans Wasser gehst.
Vor längerem Handschuhtragen: Schutzmittel ebenfalls auftragen, die Hände müssen dabei trocken sein.
In der Pause: Hände reinigen, abtrocknen, Pflegemittel einmassieren.
Nach Arbeitsende: nach der Hautreinigung das Pflegemittel auftragen, damit sich die Haut über Nacht erholt.
Aufgetragen wird auf trockene, saubere Hände, sonst schließt du Feuchtigkeit und Reste ein. Massiere das Mittel sorgfältig ein und vergiss die Stellen nicht, die fast alle überspringen: Fingerzwischenräume, Fingerseitenkanten, Nagelfalze, Fingerkuppen, Daumen und Handgelenke. Genau dort reißt die Haut zuerst.
Bei der Auswahl haben Produkte ohne Duftstoffe und ohne Konservierungsstoffe Vorrang, und Hautschutzpräparate sollten keinen Harnstoff enthalten. Pflegemittel gehören in Spender oder Tuben, nicht in offene Dosen, in die mehrere Leute hineingreifen. Welches Produkt im Objekt vorgesehen ist, steht im Hautschutzplan.
Für kurzen Kontakt mit milderen Reinigungsmitteln reicht eine Fettcreme. Arbeitest du längere Zeit mit aggressiven Mitteln, gehören Schutzhandschuhe dazu. Creme und passender Handschuh zusammen geben dir den besten Schutz, die Creme allein ersetzt den Handschuh nicht.
Für jede Tätigkeit und jedes Objekt wird gesondert beurteilt, welche Gefährdungen auftreten und welche Schutzmaßnahmen nötig sind.
Hautreinigung nach der Arbeit: so wenig Entfettung wie möglich
Beim Händewaschen entfernst du den Schmutz und leider auch Fett. Darum gilt: so mild wie möglich, so kräftig wie nötig. Reibekörper und scharfe Handwaschpasten nimmst du nur bei Verschmutzungen, die anders nicht abgehen. Danach trocknest du gründlich ab, auch zwischen den Fingern, und cremst erst dann.
Häufiges und intensives Händewaschen belastet die Haut so stark, dass es selbst als Feuchtarbeit zählt. Zähl das häufige Händewaschen also zu deiner Hautbelastung dazu.
Nasse Hände in den Handschuh zu stecken, macht die Sache schlimmer. Unter dem dichten Material bleibt die Feuchtigkeit stehen und weicht die Haut weiter auf.
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Handschuhe auswählen: Kennzeichnung, Material, Tragedauer
Für Reinigungschemie brauchst du Chemikalienschutzhandschuhe, keine dünnen Einmalhandschuhe aus der Box und keine Gartenhandschuhe. Erkennen kannst du sie an der Kennzeichnung auf Verpackung oder Stulpe. Für das Reinigungsgewerbe verlangt die DGUV Regel 112-195 die Kennzeichnung nach EN 374 zusammen mit dem Erlenmeyerkolben als Piktogramm.
Darauf achtest du beim Griff ins Regal:
EN 374: Schutz gegen Chemikalien und Mikroorganismen, die Grundangabe für deine Arbeit.
Erlenmeyerkolben: das Piktogramm für Chemikalienschutz, ein kolbenförmiges Glasgefäß.
DIN EN 420: allgemeine Anforderungen an Schutzhandschuhe, dort sind die Piktogramme der Spezialnormen geregelt.
Als persönliche Schutzausrüstung deklariert, flüssigkeitsdicht und fest genug für die Tätigkeit.
Beständig gegen das Mittel, mit dem du tatsächlich arbeitest.
Latexallergenarm und ungepudert, vorzugsweise aus Nitrilkautschuk.
Verlängerte Stulpe, damit dir beim Wischen nichts in den Handschuh läuft.
Welcher Handschuh zu welchem Produkt passt, steht im Sicherheitsdatenblatt des Reinigungsmittels; danach richtet sich der Hautschutzplan. Frag im Objekt danach, statt zu raten.
Jeder Chemikalienschutzhandschuh hat eine maximale Tragedauer, die der Hersteller angibt. Nach Ablauf dieser Zeit schützt der Handschuh nicht mehr sicher, auch wenn du von außen nichts siehst. Wechsle ihn auch dann, wenn er innen feucht ist oder außen beschädigt.
Die Größe entscheidet mit. Ein zu großer Handschuh rutscht und reißt an der Naht, ein zu enger drückt und du ziehst ihn schneller aus. Verlang die Größe, die dir passt.
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Feuchtarbeit: ab wann Handschuhe vorgeschrieben sind und wann Vorsorge dazukommt
Mehr als zwei Stunden Feuchtarbeit am Tag heißt: Schutzhandschuhe sind vorgeschrieben, auch bei klarem Wasser ohne jede Chemie. Das Wasser allein quillt die Haut auf und nimmt ihr den Säureschutzmantel. Die zwei Stunden rechnest du über die ganze Schicht zusammen, nicht am Stück.
Geh diese Frageliste für deinen Einsatz durch:
Kommen deine Hände insgesamt mehr als zwei Stunden mit Flüssigkeit in Kontakt?
Trägst du länger als zwei Stunden am Stück flüssigkeitsdichte Handschuhe, unter denen die Hände schwitzen?
Musst du dir die Hände häufig oder intensiv waschen?
Arbeitest du unter zwei Stunden nur mit Mikrofaser ohne Chemie? Dann greift die Zwei-Stunden-Regel nicht, die Haut wird trotzdem entfettet, also cremst du.
Angenommen, du reinigst in einer Schicht vier Sanitärbereiche mit jeweils 40 Minuten Nassarbeit. Vier mal 40 Minuten ergibt 160 Minuten. Das liegt über zwei Stunden, Handschuhe sind damit Pflicht.
Feuchtarbeit kann außerdem arbeitsmedizinische Vorsorge auslösen. Geregelt ist das in der Verordnung über arbeitsmedizinische Vorsorge, die für Arbeitgeber gilt. Arbeitsmedizinische Vorsorge bedeutet Beratung durch die Betriebsärztin oder den Betriebsarzt; eine körperliche Untersuchung gehört nicht zwingend dazu. Das trifft keineswegs auf jede Reinigungstätigkeit zu.
Wenn du unsicher bist, ob deine Tätigkeit dazuzählt, sprich die Objektleitung oder die Fachkraft für Arbeitssicherheit an und nenne deine Zeiten.
Handschuhe schwitzen, Creme fehlt: die häufigsten Einwände aus dem Objekt
Hautschutz bleibt meist aus praktischen Gründen liegen: Es steht nichts bereit, die Handschuhe gibt es nur in einer Größe, und im Zeitdruck erscheint das Eincremen als Umweg. Das lässt sich ansprechen, und Material wie Unterweisung schuldet dir dein Betrieb ohnehin.
Gegen schwitzige Hände hilft der Blick auf die Tragedauer. Dichte Handschuhe länger als zwei Stunden am Stück zu tragen, zählt selbst als Feuchtarbeit. Plane also Wechsel ein, zieh die Handschuhe zwischendurch aus und lass die Hände trocknen, bevor du sie erneut anziehst.
Klebrige Finger kommen oft von zu viel Creme. Nimm weniger und massiere sie vollständig ein, dann greifst du nach kurzer Zeit wieder sicher. Für die Arbeitszeit fällt das kaum ins Gewicht, verglichen mit Tagen, an denen du mit offenen Rissen nicht einsatzfähig bist.
Hartnäckig ist der Einwand, es sei keine Zeit da. Rissige Hände kosten dich mehr: Handekzeme belasten, schränken die Arbeitsfähigkeit ein, und Arbeitsunfähigkeit ist für alle Beteiligten teurer als die tägliche Pflege.
Steht im Objekt dauerhaft nichts bereit, meldest du das wiederholt und schriftlich an die Objektleitung und wendest dich an die Fachkraft für Arbeitssicherheit.
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Häufige Fragen
Darf ich eigene Handschuhe und eigene Creme mitbringen, wenn im Objekt nichts bereitsteht?
Mitbringen darfst du, bezahlen musst du nicht. Schutzhandschuhe sind persönliche Schutzausrüstung, und die Präparate für Schutz, Reinigung und Pflege legt dein Arbeitgeber im Hautschutzplan fest und stellt sie bereit. Private Ersatzprodukte haben zwei Haken: Eine Handcreme aus dem Drogeriemarkt ist kein Hautschutzmittel und schützt nicht vor Reinigungschemie, und ein Haushaltshandschuh ohne EN 374 und Erlenmeyerkolben ist für den Umgang mit Chemie nicht geeignet. Meld die Lücke lieber schriftlich an die Objektleitung.
Zählt die Zeit fürs Eincremen und Handschuhwechseln zu meiner bezahlten Arbeitszeit?
Hautschutz ist eine Schutzmaßnahme, die dein Betrieb anordnet und in der Unterweisung erklärt; er gehört damit zu deiner Tätigkeit und nicht in deine Freizeit davor oder danach. Wie diese Zeiten vergütet werden, richtet sich nach deinem Arbeitsvertrag und dem geltenden Tarifvertrag, frag dazu im Betrieb nach. Wird dir die Zeit im Revier nicht zugestanden, sprich die Objektleitung darauf an, statt die Schritte wegzulassen. Zu Arbeitszeit und Bezahlung allgemein findest du mehr im Artikel „Arbeiten als Reinigungskraft: Lohn, Arbeitszeit und der Einstieg Schritt für Schritt“.
Was ändert sich im Winter, wenn die Hände bei Außenarbeiten zusätzlich auskühlen?
Kälte ist neben Feuchtigkeit und Chemie eine eigene Belastung für die Haut und kommt im Winter obendrauf. Nasse Hände in kalter Luft trocknen besonders schnell aus und reißen leichter ein. Trockne die Hände vor jedem Gang nach draußen ab und creme konsequent nach der Hautreinigung, in der Pause und nach Arbeitsende. Für Arbeiten mit Reinigungsmitteln bleibt der gekennzeichnete Chemikalienschutzhandschuh gesetzt; welcher Kälteschutz im Objekt vorgesehen ist, klärst du über die Gefährdungsbeurteilung mit der Objektleitung.

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